Berichte

Saisonbeginn erst im Herbst.

Kategorie: Berichte & Tipps

Wenn man die Kurve erst im Oktober kriegt. laughing

Ein traumhafter Herbsttag wie er schöner nicht sein konnte. Gold-buntes Laub wohin man sah, kräftig-blauer Himmel, Vogelgezwitscher und die warmen Sonnenstrahlen brachen durch die schon recht kühle Morgenluft. Ich stand auf dem Balkon und bekam Wehmut … oder war es Wut? Wie lange bin ich nicht mehr gewandert, nicht mehr selbst Motorrad gefahren?! Dies hatte viele verschiedene Gründe. Aber wenn ich diesen Tag nicht nutzen würde, hätte ich die nächsten Wochen schlechte Laune.
Dachte ich, denn eigentlich habe ich nie lange schlechte Laune.


Also fragte ich mich, Wanderschuhe oder Motorrad? Die Entscheidung fiel auf das Motorrad und obwohl das „alleine Fahren“ überhaupt nicht mein Ding ist, beschloss ich es heute DOCH zu tun. Die Motorradbatterie war zum Glück schon aufgeladen, der freundliche Nachbar (der nur aus Neugier ums Haus schlich) half mir beim Einbau. Den Gedanken an einen möglichen Standplatten verwarf ich mal ganz schnell und mit einem etwas unsicheren Gefühl rollte ich die Maschine aus der Garage. „Warum unsicher? Du fährst doch nicht zum ersten Mal. Du bist in den Alpen Pässe gefahren, warum machst Du Dich dann verrückt, wenn Du durch’s Sauerland fahren sollst?“ fragte ich mich. Naja, vielleicht Frauengedanken. Länger nicht gefahren, ich möchte Niemanden aufhalten der schneller fährt, was ist, wenn das Mopped umkippt … und, und, und.

Aber als ich den Helm aufsetzte und die Handschuh anzog, als ich gen Himmel sah und tief durchatmete, kam das vertraute Gefühl zurück. MOTORRAD FAHREN. Aufsitzen, Ständer rein, Leerlauf … und dann … Knopf drücken und Rrrrrruummmmm. Die verlässliche GS sprang an, als ob ich sie erst gestern noch gefahren hätte. Der Boxer arbeitete zaghaft unter mir und dann ging‘s los. Da ich auf dem Land wohne, gingen die ersten Kilometer durch die Natur, begleitet von Wiesen, Pferden und auch Tieren, die schon eine kleine Gefahr darstellen konnten. Rehe sind bei uns täglich zu sehen und ein kleiner Hase hoppelte auf der Straße vor mir her. Ich schmunzelte und sagte in den Helm „Hasilein, bei mir bist Du sicher. Aber wenn Du nicht langsam auf die Wiese verschwindest, macht Dich der nächste Autofahrer platt.“

Ich erreichte die Landstraße und gab Gas. Frische kühle Luft im Helm und endlich wieder auf zwei Rädern unterwegs. „Wo fährst Du eigentlich hin?“ fragte ich mich. Keine geplante Strecke, kein Navi, also einfach der Nase nach. Abwechselnd Bundes- und kleine Dorfstraßen. Viele Motorradfahrer waren unterwegs, aber auch Wanderer, Trinkgruppen auf Treckerwagen, alle Diejenigen, die den vielleicht letzten schönen Tag dieses Herbstes noch nutzen wollten. Nach 1 ½ Stunden kam ich an eine unserer Talsperren und mir war nach Kaffe und … WC. Hach nä, gewöhnlich steuerte ich gerne kleine Treffpunkte oder Lokale an. Jetzt rollte ich geradewegs auf den größten Motorradfahrertreffpunkt der Region zu und sagte mir „Da genießt Du endlich wieder die Fahrt und schon setzt das Denken aus.“ Egal. Ich fand noch eine Lücke am Straßenrand, vorne und hinter mir war ein reges Treiben von Aus- und Einparkern. Es ist schon von Vorteil, wenn man (im Gegensatz zu mir) lange Beine hat. Als ich kurz überlegte, ob ich vorwärts oder rückwärts in die Lücke fahre (die Straße war abschüssig und wenn man klein ist, muss man da schon genauer hinsehen), hörte ich durch die Helmpolster dumpf die Frage „Kann ich helfen?“ Erst fühlte ich mich gar nicht angesprochen. Hilfsbereitschaft wird heute ja leider nicht groß geschrieben. Als ich dann aber im Spiegel etwas Großes neben mir stehen und dann ein freundliches Gesicht sah, sagte ich „Danke, ich muss nur in die Lücke rollen. Das klappt schon.“ „Warte, ich zieh Dich.“ Oh, nett, dachte ich mir und ließ mich -ganz Frau sein- in die Parklücke ziehen. Wir sprachen noch ein paar Worte, dann ging er zu seiner Gruppe und ich an die Kaffeeausgabe. Etwas abseits vom Trubel setzte ich mich auf ein Mäuerchen, genoss den Kaffee und den Blick auf die vielen Motorräder und die Talsperre und dachte bei mir „Wie konntest Du das nur so lange lassen. Wie dumm muss man eigentlich sein?“.

Ich machte mich zur Weiterfahrt bereit und fuhr noch ein Stück über breite Straßen. Heranpreschende Motorradfahrer winkte ich vorbei. Der Duft von gemähtem Gras stieg mir in die Nase und ich konnte gar nicht genug davon bekommen. Als von hinten eine Biker-Gruppe nahte, fuhr ich wieder brav rechts und gab Zeichen. Obwohl alles frei war verzögerten sie und blieben mit einem Sicherheitsabstand lange hinter mir. „Hm, ich bin jetzt Tourguide.“ dachte ich grinsend. Auf einem kleinen Erdplatz neben der Straße hielt ich später noch mal an. Ebenso die Gruppe. Wir kamen ins Gespräch. „Wir sind Genussfahrer und keine Raser,“ sagten sie „und eine motorradfahrende Frau haben wir auch nicht so oft dabei“, meinten sie lachend.

Wir plauderten noch und dann fuhren wir jeder unserer Wege. Adressen austauschen wäre nicht schlecht gewesen, dachte ich mir. Aber das kommt dann bei der nächsten Fahrt. Glücklich und auch etwas müde kam ich im goldenen Licht der Abendsonne entlang der Wiesen wieder nach Hause. Ein Lächeln auf dem Gesicht.

Abends ließ ich die Fahrt noch mal Revue passieren und nahm mir vor, nächstes Jahr, nach dem Salz auf den Straßen und bei halbwegs anständigen Temperaturen, bist Du als Erstes motorradmäßig unterwegs. Bis dahin kommen die Wanderschuhe wieder zum Einsatz.

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