Berichte

Ausfahrt Garmisch – Kühtai

Kategorie: Berichte & Tipps

1 Tag voller interessanter Kurven – Tolle Freizeitgestaltung

(plus ein kleines Extra am Ende)

Nachdem das große Motorradtreffen in GARMISCH (ein jährliches Event, das sich von den bekannten Motorrad Days anderer Marken sehr unterscheidet) zu Ende war, mieteten wir uns Motorräder für eine Tour ins österreichische Oetztal. Dieses Mal waren wir nur zu zweit unterwegs. Es regnete und vorbei an dem großen US-Militär-Stützpunkt -der George C. Marshall-Kaserne- verließen wir Garmisch und fuhren über die gut ausgebaute, sehr kurvige aber schön flüssig zu befahrende Landstraße (B 23 auf deutscher Seite) Richtung Österreich. Was die zuvor erwähnten US-Militärs betrifft, sollte man etwas vorsichtig sein. Fotografieren wird nicht gern gesehen und nähert man sich zu sehr dem Eingangsbereich, heißt es „Hier ist Sperrgebiet! What do you want?“ oder eine imposante Figur kommt strengen Schrittes auf die Neugierigen zu und grinst nur. Bringt aber gut ersichtlich sein MG vor seiner Brust in Position. Gibt man sich aber als allzu naiven Touristen aus, entspannt sich die Situation.

Begleitet von viel Natur kamen wir an Grenzhinweisschildern ÖSTERREICH vorbei. Kurz nochmal überlegt, haben wir alles? Verbandpack, Vignette, Warnweste… alles da. Wir näherten uns der ersten österreichischen Tank- und Raststation und zack … schon die erste Radarpistole. Zum Glück sahen wir sie von hinten, aber einige Motorradfahrer aus der Gegenrichtung wurden angehalten, wobei der eine oder andere PKW locker flockig vorbei düste, der jedoch einfach nicht beachtet wurde. Aaahja. Da die österreichische Polizei auch Geschwindigkeiten schätzen darf, ist besondere Vorsicht geboten. Die B 23 ändert auf österreichischer Seite ihren Namen und so folgten wir jetzt der B 187 bis zur nächsten Gabelung. FERNPASS… und genau dort wollten wir als nächstes hin. Biegt man nach rechts, führt die Route über Lermoos -einen sehr schönen Urlaubsort- und durch einen 3,5 km langen Tunnel zum Pass, wir wählten jedoch die Linksabbiegung. Der gelben Straße folgend durchfuhren wir die Orte Ehrwald und Biberwier. Kurz danach gesellte sich die Landstraße von Lermoos zu unserem Dorfsträßchen und bei immer noch leichtem Regen fuhren wir den Fernpass an. Die Straße füllte sich mit LKW, Bussen, Wohnwagen und auch Motorradfahrern. Als leicht zu befahrenden Pass schlängelt er sich durch’s Gebirge und so waren wir auch von Motorradfahrern (und Motorradfahrerinnen) umgeben, die ganz offensichtlich das Fahren durch die Alpen noch übten. Irgendwie konnte ich ihre Unsicherheit nachvollziehen, denn beim Stilfser Joch z.B. stoße auch ich an meine Grenzen und bemerke immer wieder, dass ich bei solch anspruchsvollen Strecken lieber „hinten drauf“ sitze und Fotos mache, als selbst die Kehren zu bewältigen.

Die Sonne brach durch die Regenwolken, das Wasser verdampfte von der Straße und so steuerten wir die Raststation Zugspitzblick an. Wir genehmigten uns ein Eis und sahen tief hinunter auf den türkis schimmernden BLINDSEE. Als die Fahrer von drei vollbesetzten Reisebussen die gleiche Idee hatten, zogen wir es vor, unsere Starter zu drücken und weiter zum Oetztal zu fahren. Nassereith, Tarrenz, Imst. Die Sonne strahlte. Als wir in den Kreisverkehr am „Eingang“ zum Oetztal einfuhren, sahen wir ein Schild: AREA 47 Fun and Adventure. Davon hatten wir schon gehört; Der größte Freizeit- und Abenteuerpark in Europa – Eröffnet im Mai 2010. Kurzerhand schlugen wir einen Haken, um den Kreisel an der letzten Ausfahrt vor dem Tal wieder zu verlassen. Kurz darauf rollten wir auf einen Parkplatz und glaubten nicht, was wir da sahen. Per Pedes ging es zu der Stelle, die uns vorher so erstaunen ließ.

Die erste Abenteuer-Attraktion war ein immens großer Kletterturm, der offensichtlich ein umbauter Brückenpfeiler war und tatsächlich… oben fuhren Autos. Direkt unter der Brücke befestigt hingen große Holzstücke und Äste. Zum Klettern. So hatte ich einen Kletter- oder Hochseilgarten noch nie gesehen.

Wir gingen weiter, an einem Schnellrestaurant vorbei zu einer riesigen Wasserrutsche. Ihr gegenüber stand eine Rampe für Snow-/Water-Boarder, die statt auf einer Schneepiste im großen Wasserbecken landeten. Beach Volleyball-/Basketballplatz und weitere kleine Kletterwände waren eingerichtet, ein Badesee wurde in die schöne Wiesenanlage integriert. Dahinter standen eine Art Blockhäuser, in denen man für 35,– Euro incl. Frühstück übernachten kann. Etwas höher im Berg gelegen waren Holz-Tipis aufgestellt, ebenfalls zum Übernachten. Am Ende der Strecke war die Station für Rafting, eine Chill Out Zone und sogar für Canyoning konnten sich Interessierte anmelden. Eingangs gab es ein großes Eventzelt und einen Saloon, der auch gleich für Harley-Treffen genutzt wurde. Hier kann man sich körperlich wirklich austoben und da zu der Eröffnungsparty eine Abordnung von KTM geladen war und auch auf den Plakaten genannt ist, hofften wir auf einen angelegten Endurokurs. War aber nicht. Aber was nicht ist,…! Der gesamte Park ist schön in die Natur eingebettet und von der Straße aus kaum zu sehen.

Nach diesem Parkrundgang „kletterten“ wir wieder auf unsere Maschinen und fuhren eine Abfahrt weiter ins Oetztal. Auch hier zeigte sich ein großes Angebot für Sportler und Familien, Motorradfahrer sind in den meisten Gastronomiebetrieben ganz herzlich willkommen. Langsam rollten wir durch den schönen Ort OETZ bis .… na, wohin .… genau, bis zum Kreisverkehr. Fährt man dort -ich sag mal- geradeaus weiter, erreicht man kurze Zeit später den Ort UMHAUSEN mit seinem Stuibenfall. Einem imposanten Wasserfall mit 159 m Fallhöhe. Er ist weithin sichtbar, sollte man ihn aber aus der Nähe sehen und die Gischt ins Gesicht bekommen wollen, heißt es von den Parkplätzen aus noch zu Fuß weiter zu gehen. Den Motorradfahrern unter den Besuchern würde ich raten, leichte Bekleidung im Top Case mitzunehmen. Und den Abenteurern evtl. Regensachen, denn die Energie des Falls kann man auf spektakulären Plattformen erleben oder die Gischt auf dem linksseitig vom Stuibenfall angebrachten Klettersteig spüren. Und die ganz Wagemutigen queren den Wasserfall auf beinahe unsichtbaren Drahtseilen. Ich sag nur: Adrenalin. Wer die Motorradsachen nicht am Motorrad (Koffern) lassen kann oder möchte, … einige freundliche Gastronomen haben oftmals ein Eckchen frei und werfen ein Auge darauf.

Desweiteren bietet Umhausen sein Ötzi-Dorf. Ein archäologischer Freilichtpark, der „Leben, Wohnen und Wirtschaften in der Jungsteinzeit“ sehr schön veranschaulicht. Es gibt Tiergehege, spannende Kinderführungen und wechselnde Veranstaltungen.

Wiederum ein Stück weiter kommt man in den Ort LÄNGENFELD. Hier ist besonders -natürlich neben den wunderschönen Wanderrouten im ganzen Tal- die Therme hervorzuheben, das AQUA DOME.

Wir jedoch durchfuhren den Kreisverkehr in Oetz und verließen ihn in Richtung KÜHTAI. Eine herrliche Bergstraße erwartete uns. Während im unteren Teil viel neu und sehr modern gebaut wurde, sah man etwas weiter oben uralte typische Gehöfte. Braungebrannte, alte Bauern arbeiteten in praller Sonne mit der Heugabel auf dem abgemähten Feld und winkten auch noch freundlich. Die kurvige, zum Teil mit engen Kehren versehene Bergstraße führte uns weit hinauf. Rechts der Berg, links der Abhang. Oha, stellenweise ohne irgendeine Sicherung. Meistens waren allerdings dicke Holzleitplanken angebracht. Nicht selten sieht man auf dieser Strecke ein Schild „Hier baut das Land Tirol einen Tunnel.“ Und entsprechendes Gerät steht dann auch auf der Straße rum. Die Bauarbeiter sehen einen an, als wollten sie sagen: „Tja, nu sieh ma zu.“ Aber keine Sorge, es klappt alles. Immerhin fährt auch der eine oder andere Reisebus diese Strecke. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es. Wildes Gelände, rauhe Natur. Ein sprudelnder Bergbach rauschte uns entgegen, der im Tal in die Oetztaler Ache fließt (ein reißender Bach, naja, eher ein Fluss, auf dem oft Rafting- und Wildwasser-Kanuregatten ausgetragen werden). Und sollte man sich diese unberührte, schroffe Natur zu intensiv ansehen (ohne anzuhalten), sorgen hinter der nächsten Kurve unter Umständen diverse Lebewesen für die nötige Aufmerksamkeit: Weidevieh. Jede Menge Haflinger und Rinder. Und die von ihnen hinterlassenen Flecken auf der Straße sorgen für angepasste Geschwindigkeit. Meistens jedenfalls.

Nach ca. 2/3 der Strecke lag rechte Hand ein angelegter Stausee mit kleinem Wasserkraftwerk. Wir durchfuhren die nächsten Kehren und kamen auf der Kuppe an. Im Tal waren es schöne 28 Grad. Anhalten, Motor aus, absteigen. Ein kühler Wind wehte, 13 Grad., 2020 Meter ü.NN., kurz unter der Baumgrenze. Hochgebirge. Die Luft war klar und frisch. Kräuter standen überall auf den Almen und kleine rote Blüten leuchteten uns entgegen. Tief einatmen. Genau hier standen wir in einem Gelände, welches sich im Winter zu einem großen Skigebiet verwandelt. Das zeigten auch die Hotels. Während kleine Pensionen und Hütten im Sommer geöffnet sind, haben die großen Sporthotels geschlossen und rüsten sich erst wieder für die Skisaison. Ich nahm meinen Fotoapparat aus dem Tankrucksack und holte mir die kühlen Berge auf meine Speicherkarte. Ich drehte mich langsam um und erstarrte fast vor Schreck. Da sah ich mit meiner Fotolinse direkt auf die Nase einer mächtigen Kuh. Leise hatte sie sich angeschlichen und da man des Öfteren las „Kuh hat Motorrad angegriffen“, wusste ich nicht, ob sie bei MotorradFAHRERN Ausnahmen machen. Ich sprach ein bisschen mit ihr, zog es dann aber vor, mich mit dem Motorrad zu beschäftigen. Wir überlegten, ob wir weiter hinten bergab nach Sellrain rollten oder kehrt machten. Zuerst einmal aber wollten wir einkehren und so fuhren wir ein kleines Stück zurück. In der Dortmunder Hütte vom Alpenverein kann man deftig und gut essen und (wenn es nicht zu windig ist) wunderschön draußen sitzen mit Blick auf die Almwiesen. Eine besondere Empfehlung ist auch der DORFSTADL. Etwas teurer als die Hütte aber hervorragend in Geschmack und Portion. Und: Einen guten Marillenbrand gibt es hier. Als (Motorrad-) Fahrer sollte man jedoch besser überlegen, ein Flascherl mitzunehmen, statt vor Ort zu genießen. Dieses Mal entschieden wir uns für den Dorfstadl (der allerdings im Sommer um 17.30 Uhr schließt. Nur als Tipp.) und trafen dort auch weitere nette Motorradfahrer. Gut gegessen und Durst gestillt bestellte ich mir doch noch eine frische Buttermilch. Unglaublich, wie erfrischend die dort oben schmeckt. Kein Vergleich mit Supermarkt-Milch. Als kleines „Vorab“ sollte sie wirklich jeder mal probieren. So, auf ging’s. Wir beschlossen bis OCHSENGARTEN zurückzufahren und rechts in das Verbindungssträßchen nach Haiming einzubiegen. Auf der Karte weiß eingezeichnet, schön und kurvig gelegen führte sie zur Landstraße, entweder Richtung Innsbruck oder nach Imst. Nur dieses Jahr hatte man gut daran getan, mit einer Enduro und vor allem mit FESTER Kleidung (Tipp für die Frauen) zu fahren. Der Straßenbelag war mächtig rissig. Tiefe Schlaglöcher wie bei uns allerdings, fanden wir dort nicht. Da wir auf der ganzen Strecke etwas gedrömelt und uns die schöne Landschaft angesehen hatten, fuhren wir jetzt zügig über das Mieminger Plateau ( eine zwischen 850 m bis 1000 m hoch gelegene Mittelgebirgsterrasse oberhalb des Tiroler Oberinntals), Nassereith, Fernpass nach Garmisch zurück. Und jetzt machte es zischschschsch. Ein kaltes Radler auf dem Balkon in untergehender Sonne.

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Kleiner Extra-Tipp: (Garmisch zur Wieskirche) In OBERAU (Nähe Garmisch) biegt man, der B 23 folgend, nach Westen ab und wird über eine S-Kurven-Strecke nach Ettal geführt. Vorbei (oder pausierend) am Kloster Ettal kann man die Bundesstraße entspannt weiter cruisen, um nach ca. 20 km -kurz hinter Bad Bayersoien- zwei Mal nach links (der Beschilderung folgend) abzubiegen. Zwischen schönen Klee- und Blumenwiesen hindurch befährt man dann eine wunderschöne Landschaft und erreicht kurze Zeit später die Wieskirche . Eine herrlich im Grünen gelegene, sehr schöne Wallfahrtskirche. In näherer Umgebung kann man in idyllischer Ruhe und duftenden Wildblütenwiesen etwas abschalten (wenn sie nicht gerade abgemäht wurden).

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