Berichte

Motorrad-Saisonbeginn

Kategorie: Berichte & Tipps

Vorbereitung – Pleiten, Pech und Pannen.

Wochenende. Noch etwas verschlafen stand ich im Bad, schob den Wasserhahn zu und vernahm einige Töne. Ich hielt inne, lauschte, zog die Rollos hoch und tatsächlich … Vogelgezwitscher. Pausenlos pfiffen, piepten und gurrten sämtliche, bei uns vertretenen Arten fröhlichen Federviehs wild durcheinander. Erstes Anzeichen für den Frühling? Gleich aufgemuntert ging ich in Richtung Balkontür, dessen Griff sich sofort öffnen sollte. Ich hielt erst mal die Nase vorsichtig raus, in Erwartung einer – wie bisher – frostigen Brise. Aber stattdessen wehte ein laues Lüftchen herein. Ich ging raus, schloss die Augen, holte tief Luft und irgendwie roch es nach Frühling. Ein Lächeln verbreitete sich über mein Gesicht und sofort ging ich wieder hinein. Mein Blick fiel auf das Motorradbatterie-Ladegerät. Ein Gedanke ging an die im Schrank ruhende Batterie. „Aufladen! Einbauen! Motorrad fit machen! Losfahren!“ Dies war mein soeben gefasster Plan für’s Wochenende. Und dazu passend verkündete die nette Wetterfee im Radio auch angenehme Temperaturen und etwas Sonnenschein. Der Erste-Hilfe-Kurs wurde schon absolviert. Der neu gekaufte Motorradanzug ist ja bereits mehrfach in der Wohnung angezogen und vor dem Spiegel begutachtet worden (wie Frauen ja so sind). Jetzt wurde es Zeit, ihn mit meinem Motorrad bekanntzumachen.

Leider hat die Motorradsaison wiedermal nicht ganz so toll angefangen. Viele schwere Unfälle gab es gleich an den ersten Sonnentagen, extrem aufgerissene und mit Schlaglöchern oder Flicken versehene Straßen wechselten sich mit Dauerbaustellen ab und dann das immer häufiger auftretende leidige Thema: Streckensperrungen für Motorradfahrer. Alte, neue und für die Zukunft angekündigte Streckenblockierungen, wobei die Verbotsschilder in sämtlichen Größen und Formen ALLE Biker sozusagen an den Pranger stellen. Angefangen vom kleinen runden, rot umrandeten Motorradmännlein bis hin zu riesigen Tafeln, die uns unser „Nicht erwünscht sein“ deutlich zeigen, nimmt der Ideenreichtum der Ämter für neue Beschilderungen immer mehr an Größe und Phantasie zu. Allerdings habe ich noch nie ein Schild gesehen, auf dem „Gesperrt für jugendliche PKW-Raser“ steht. Die Unfallstatistik ist eindeutig und leiser sind deren Autos auch nicht, wenn sie richtig Gas geben. Nundenn. Wir jedenfalls haben uns für die künftigen Ausflüge vorgenommen: Vorschriftsmäßig! Das hergegebene Geld für das „Blitzlicht“ tut zu weh, der Führerschein ist ein zu wertvolles Gut (was man erst zu schätzen weiß, wenn es weg ist) und zudem sieht man auch mehr von der schönen Gegend, wenn man den Blick nicht nur starr auf dem Asphalt oder dem Vordermann halten muss. Und mich persönlich hat es auch schon ausgebremst, bevor die Saison richtig los ging. Nach Batterieeinbau und kleiner Proberunde tropfte fröhlich Öl aus meinem Kardan und zeichnete abstrakte Ölgemälde auf meinen Hinterradreifen. Also hörte ich im Geiste schon die Werkstatt rufen. Vor der telefonischen Terminvereinbarung vermutete ich eine längere Wartezeit, da gerade im Frühjahr die Werkstätten ja meist gut zu tun haben. Die Entwinterung der eingelagerten Maschinen, den einen oder anderen Sicherheitscheck zum Beginn der Saison oder die ersten Inspektionen der neu ausgelieferten Motorräder. Aber ich bekam einen zeitnahen Termin mit der Aussage „Aber bitte nicht fahren. Wenn es Kardanöl ist, sind nur 180 ml drin. Wenn die weg sind, ist Hängen im Schacht. Wir holen das Fahrzeug ab“. Okay. Pünktlich war der Transporter da, um mein Schätzken abzuholen und gleich zu untersuchen. Zum Glück war es nichts Schlimmes. Ein Simmering signalisierte, dass er wohl nicht aus dem allerfeinsten Material war und doch lieber ausgetauscht werden wollte. Erfreulicherweise war es der billigere und so war auch die Rechnung nicht allzu hoch.

Aber trotz der unschönen Gegebenheiten im Zeitraum von Frühjahrssonne, ersten milden Temperaturen und Tatendrang freuten wir uns schon sehr auf die ersten Touren und den Sommer und kurz darauf brachen wir zur ersten Fahrt auf. Schnittchen, Apfel, Mettwurst und Apfelschorle ins Top Case und los.

Idylle – was man findet, wenn man es nicht sucht. Während uns unsere ersten kleinen Eingewöhnungsfahrten der Saison gewöhnlich zu den bekannten Talsperren des Sauerlandes führten -konfrontiert mit vollgepackten Familienautos, hunderten Motorradfahrern, Blitzanlagen, Fahrrad- und Rollerfahrern, Inlineskatern, freilaufenden Hunden und selbstverständlich auch mit Autofahrern, die es kaum abwarten konnten, an das Kennzeichen des Vorausfahrenden heranzukommen-, wollten wir dieses Mal anders starten. Im Zeitalter von Stress, Hektik, Lärm und Eile hatten wir den Wunsch, es ruhiger angehen zu lassen. Ungeplant und von Lust und Laune geführt, brachte uns unsere Ausfahrt in Gegenden, von denen ich kaum glaubte, dass es sie in unserer Nähe überhaupt noch gibt. Verkehrsarm, idyllisch, kein Schild, welches uns mit seinem Gesperrt-Hinweis zum Umkehren zwang, keiner „Unseresgleichen“, der mit seinem Kopf vor unserem Vorderrad so gerade eben doch noch die Kurve kriegte und nicht einmal Verkehrsteilnehmer, die sich fragend umsahen, weil sie von ihrem Navi durch die abgelegendste Prärie geführt wurden.

Was allerdings unseren Weg kreuzte, waren Wanderer, ältere braungebrannte Bauern auf historischen kleinen Treckern und Katzen, die durch die Felder stöberten auf der Suche nach einem Leckerbissen. Kinder fütterten und tränkten ihre Pferde, es fehlte eigentlich nur noch die alte Bäuerin mit karierter Tischdecke und Picknick-Korb größeren Ausmaßes, die ihren Lieben die Stärkung auf’s Feld brachte. Aber die wird es zur heutigen Zeit wohl wirklich nicht mehr geben.

Durch das etwas geöffnete Visier atmeten wir tief den Duft vom ersten frisch gemähtem Gras ein und hörten -wenn der Boxer nicht (oder kaum) arbeitete- das Gezwitscher der Vögel. Hier hielten wir an und machten ein Picknick im Grünen. Die ersten Blütenknospen ließen ihre spätere Farbe erkennen, die zarten kleinen grünen Blättchen reckten sich Richtung Sonne. Summende Bienchen, aber auch lästiges Mückengetier freuten sich -wie wir- über die milde Frühlingsluft. Nachdem wir auf ruhigen, von Wiesen und Wäldern umgebenen Straßen heimwärts fuhren und dann abends im Wohnzimmer saßen, wollten wir die Fahrt rekonstruieren. Fragend, mit Runzeln auf der Stirn saßen wir vor der Straßenkarte. Wir kriegten diese schönen Sträßchen, geprägt von Harmonie, Ruhe und Natur nicht mehr „auf die Reihe“.

Es war eine erholsame Fahrt durch’s Grüne und durch verträumte Dörfer, im wahrsten Sinne des Wortes der Nase nach.

Die Saison hat begonnen.

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